Dürr weiht 65-Millionen-Neubau ein

Bietigheim-Bissingen – Der Maschinen- und Anlagebaukonzern Dürr AG hat sich im Juli von der Landeshauptstadt Stuttgart verabschiedet und seine Zentrale nach Bietigheim-Bissingen verlegt. Dort wurde der neue Dürr-Campus gestern vor über 200 Gästen aus Politik und Wirtschaft offiziell eingeweiht.

In den Campus hat Dürr 65 Millionen Euro investiert. Neben dem neuen Bürokomplex mit fast 40 000 Quadratmetern Nutzfläche, wurde eine neue Logistikhalle gebaut und das bestehende Technologie- und Forschungszentrum erweitert. Das sei nun das größte Entwicklungszentrum für Lackier- und Montageverfahren weltweit, sagte Pressesprecher Günter Dielmann.

Wie wichtig der Stadt diese Ansiedlung ist, machte Oberbürgermeister Jürgen Kessing ganz praktisch klar. Er griff die Bitte von Vorstandschef Rolf Dieter sofort auf, die Ampelschaltung an der Porsche-Kreuzung doch zu verändern, um die täglichen Staus für die 900 zusätzlichen Dürr-Mitarbeiter zu verkürzen, die nun in Bietigheim-Bissingen arbeiten. „Nächste Woche wird die Ampelanlage umgestellt“ versprach Kessing.

Von Bündelung an einem Standort und dem Campus-Neubau verspricht sich Dürr eine Effizienzsteigerung, weil die Wege zwischen den Mitarbeitern kürzer und die Kommunikation einfacher werde. Das wurde auch beim architektonischen Entwurf berücksichtigt. So gibt es auf allen Ebenen sogenannte „Meetingpoints“, an denen sich Mitarbeiter bei Kaffee oder Mineralwasser zwanglos zum Erfahrungsaustausch treffen oder formelle Kurzbesprechungen durchführen können. Und die Außenanlagen und die begrünten Innenhöfe wurden so gestaltet, dass Dürr-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz im Sommer bei schönen Wetter ins Freie verlagern können.

„Wenn wir durch den Campus die Kreativität, Motivation und Produktivität unserer Mitarbeiter nur um rund zehn Prozent steigern, macht sich diese Investition bereits in fünf Jahren komplett bezahlt, sagte Finanzvorstand Ralph Heuwing. Und diese Marke hält er für machbar.

Auch beim Umweltbewusstsein will Dürr mit der neuen Konzernzentrale Zeichen setzen. Mit energiesparender Bauweise und der Kombination mehrere regenerativer Energiequellen, wie Solarstrom oder Erdwärme senke der neue Campus die Energiekosten um 50 Prozent. Das bedeute pro Jahr eine Einsparung von 300 000 Euro, so Heuwing. Der Kohlendioxid-Ausstoß werde sogar um 60 Prozent reduziert.

Den bisherigen Standort in Zuffenhausen hat der dortige Nachbar und Dürr-Kunde Porsche übernommen. Der Sportwagenhersteller errichtet dort eine neue Lackiererei (wir berichteten). Für deren Bau habe wiederum Dürr den Zuschlag bekommen, sagte Dieter. Man habe aber darum hart ringen müssen.

Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) lobte die Standorttreue des Konzerns und dessen Innovationskraft, forderte aber gleichzeitig zu verstärkten Anstrengungen in Forschung und Entwicklung, um den Standort Baden-Württemberg zu sichern. „Die jetzige Generation muss so innovativ und neugierig sein, wie die Gründergeneration von Dürr und Bosch“, sagte er.

Die dritte Dürr-Generation in Gestalt von Hauptaktionär und Aufsichtsratschef Heinz Dürr, hat aber klare Forderungen an die Politik, damit die Innovation erhalten bleibt: Zinsgünstige Kredite für Forschung und Entwicklung und Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung.

Und auch an die neuen Heimatkommune seines Unternehmens hat Dürr eine Forderung, wenn auch nur augenzwinkernd: Bietigheim-Bissingen, das sei doch viel zu lang. Über den Namen müsse man nochmal reden, meinte er an Oberbürgermeister Kessing gewandt. Doch da gab es kein sofortiges Entgegenkommen.

Quelle: http://www.ludwigsburger-kreiszeitung.de/home/lokalnachrichten/startseite_artikel,-Duerr-weiht-65-Millionen-Neubau-ein-_arid,24127.html





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