Archiv für Juli 2009

Braune Vergangenheit lebt weiter

Israelische Schüler zu Besuch im Landkreis – Türsteher einer Disko äußert sich abfällig und muss mit Anzeige rechnen.

14 Schüler aus dem israelischen Partnerlandkreis Oberes Galiläa machten in dieser Woche im Landkreis Ludwigsburg nicht nur angenehme Erfahrungen.

Seit 25 Jahren existieren freundschaftliche Kontakte zwischen der Region Oberes Galiläa im Norden Israels und dem Landkreis Ludwigsburg. 1993 nahmen Lehrkräfte der Ludwigsburger Robert-Franck-Schule partnerschaftliche Beziehungen zur Anne Frank School im Kibbuz Sasa auf. Bis zum Jahr 1999 fand dann zwischen beiden Schulen ein jährlicher Austausch statt. Dann folgte die Initifada und die deutschen Organisatoren schreckten erstmal vor weiteren Israel-Reisen zurück. Bei einem Deutsch-Israelischen Lehrerseminar im Jahr 2005 mit Lehrern aus den beiden Partnerschulen kurbelte der Chairman der Region Oberes Galiläa, Aharon Valency, dann das Schüleraustausch-Projekt wieder an. Seitdem besuchen sich die Jugendlichen wieder einmal im Jahr gegenseitig. In der Zeit vom 15. bis zum 25. Juli halten sich nun erneut 14 Schülerinnen und Schüler von der Anne Frank School im Kreis Ludwigsburg auf.

Nach ihrer Ankunft in München fuhren sie zunächst nach Freudental, wo sie im Pädadogisch-Kulturellen-Centrum (PKC) vom Leiter der Einrichtung, Ludwig Bez, empfangen wurden. Bez vermittelte ihnen einen Eindruck vom jüdischen Leben in Freudental.

Leider mussten die israelischen Jugendlichen in zwei Fällen auch erfahren, dass im Land der Täter die braune Vergangenheit immer noch fortexistiert. Bei einem Besuch im Vergnügungspark Tripsdrill wurden sie von Passanten mit antisemitischen Sprüchen empfangen. Weit gravierender war ein Ereignis, über das eine Lehrerin der Robert-Franck-Schule unserer Zeitung berichtete. Demnach musste sich ein Schüler aus Israel bei einem gemeinschaftlichen Discobesuch der israelischen Gäste mit den deutschen Jugendlichen vom Türsteher die Bemerkung anhören, er trage keinen „Judenstern“. Dabei war der betreffende Schüler trotz seiner israelischen Herkunft noch nicht einmal jüdischen Glaubens. Die Schüler bewiesen indes Zivilcourage und beschwerten sich beim Geschäftsführer, der sich allerdings uneinsichtig zeigte. Daraufhin wandten sich die Schüler an die Polizei und erstatteten Anzeige.

In der Robert-Franck-Schule sahen sich die israelischen und deutschen Jugendlichen den Film „Musicbox“ an, der auf dem Fall des in Israel als Nazi-Kriegsverbrecher gesuchten John Demjanjuk basiert. Es ging auch an einen esonderen Ort der deutschen Geschichte: In der ländlichen Idylle von Schloss Grafeneck – fernab der pulsierenden Landeshauptstadt Stuttgart – begann Teil eins der reichsweiten „Aktion T4″, im Verlauf derer allein in Grafeneck über 10600 Kranke und Behinderte den Tod in der Gaskammer fanden. Von Fachleuten werden diese „Euthanasie“-Morde als Vorstufe zum Holocaust gewertet.

In der Diskussion äußerten die israelischen Schüler ihr Befremden darüber, dass im Schloss Grafeneck auch heute noch Behinderte leben. Erörtert wurde auch der aktuelle Konflikt zwischen Israel und Palästina erörtert. Christian Brinkschmidt

Quelle: Bietigheimer Zeitung

Open-Air-Kino von 1. – 9. August

Auch dieses Jahr wird es wieder ein Open-Air-Kino in Bietigheim geben. Statt finden wird das ganze ab Samstag im Hof der Hillerschule. Hier das Programm:

SA 01.08. MAMMA MIA
SO 02.08 WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS
MO 03.08. DER VORLESER
DI 04.08. DIRTY DANCING
MI 05.08. ROBERT ZIMMERMANN WUNDERT
SICH ÜBER DIE LIEBE
DO 06.08. SUNSHINE CLEANING
FR 07.08. ELDORADO
SA 08.08. SLUMDOG MILLIONÄR
SO 09.08. RACHELS HOCHZEIT

Vollständiges Programm als PDF

Vollständiges Programm und Hinweise zu den einzelnen Filmen hier als PDF

Nidec – an Dreistigkeit kaum zu überbieten

Der Hersteller von Kleinmotoren Nidec betreibt in Bietigheim-Bissingen ein Werk mit über 300 Beschäftigten. Diese sehen düsteren Zeiten entgegen, wie wir bereits berichtet haben. Letzte Woche eröffnete man den Beschäftigten nun eine weitere Horrornachricht.

Wie aus Beschäftigtenkreisen zu hören ist, soll die Abteilung der Wellenfertigung mit ca. 45 Beschäftigten geschlossen werden. Die Art und Weise wie allerdings den zum Teil seit über 30 Jahren am Standort arbeitenden Menschen die Nachricht übermittelt wurde, grenzt an Unmenschlichkeit. Über Abfindungen oder eine soziale Absicherung wird nicht geredet, allerdings, so die Personalleitung, sollen die Beschäftigten die Kündigung aufnehmen „wie Männer“. Dreister geht es kaum.

Zwar gab es aus vielen anderen Bereichen des Unternehmens Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen, jedoch bremst der „verhandelnde“ Betriebsrat und mit ihm die Gewerkschaft eine radikale Wende im Arbeitskampf. Die ArbeiterInnen sind wütend und empört. Die gesamte Abteilung legte am folgenden Tag die Arbeit nieder.

Zwar gab es schon letzte Woche einen kleinen Warnstreik, jedoch pocht die Unternehmensleitung auf ihr rigides und asoziales Sparprogramm, das vorsieht 30 % der Beschäftigten zu entlassen und dazu Einsparungen von über 2 Millionen Euro vorzunehmen. Wir bleiben an dem Thema dran. (db)

Rock gegen Rechts: Bietigheims schönstes alternatives Musikevent lockte hunderte von Menschen an

Die VeranstalterInnen des nunmehr 15. Rock gegen Rechts können sich zufrieden zeigen: ca. 200 Menschen beteiligten sich bei der traditionellen Streetparade, die dieses Jahr unter dem Motto „Die Straßen gehören uns – Nazis müssen zuhause bleiben“ mit Lautsprecherwagen und dröhnenden Bässen durch die Bietigheimer Innenstadt spazierte.

Um 14.45 Uhr ging es am Bietigheimer Hauptbahnhof los. Nach einem Redebeitrag der VeranstalterInnen, der unter anderem die Zusammehänge zwischen nationaler Ideologie und Rassismus hervorhob, und der Aufforderung an die Demonstrierenen sich mit guter Laune der Streetparade anzuschließen, lief man los gen Jugendhaus Bietigheim. Die Zwischenkundgebungen am Stadtpavillon und auf dem Rathausplatz wurden unter anderem gehalten von einem Vertreter der Linksjugend [’solid] und dem Antifaschistischen Aktionsbündnis Stuttgart (AABS). Die Streetparade wurde von einem kleinen Trupp Polizisten begleitet, die neben einem kleinen Zwischenfall mit einem Feuerwerkskörper nicht sonderlich viel zu tun hatten.

Angekommen auf dem Festivalgelände vor dem Jugendhaus Farbstraße erwartete die Demonstrierenden schon eine Hocketse, eine große Bühne, zahlreiche Infostände, ein Falaffell-Stand, eine vegane Volksküche von Paul F, sowie das Spielmobil für die kleinen Gäste. Im laufe des Tages strömten immer mehr BesucherInnen das Festivalgelände, sodass gegen 22.30 ca. 500 Leute den Vorplatz des Jugendhauses füllten. Die Höhepunkte des Abend waren die Auftritte von Across the Border (Folk Rock) und Nu Sports (Ska).

Faschistische Strietzereien gab es natürlich auch dieses Jahr. Schon Wochen vor dem Event versendeten ominöse Aktivisten der Fascho-Szene gefälschte Emails mit dem Absender der VeranstalterInnen und versuchten dadurch die Kommunikation unter dem Orga-Team zu stören, was Ihnen, wie frau am Samstag erleben konnte, nicht gelungen ist (PM siehe unten). Am Tag vor dem Festival kam es zudem zu einer kleinen Provokation von vermutlich jüngeren Faschisten, die mit einer schwarzen Mercedes A-Klasse vermummt vor das Festivalgelände fuhren und versuchten die anwesenden HelferInnen abzulichten. Dabei zog einer der Provokateure eine Gaspistole, woraufhin sofort die Polizei eingeschaltet wurde.

Bietigheims schönstes alternatives Musikevent konnte dieses Jahr wieder viele Menschen aus der Region anziehen und das Organisationsteam zeigte uns wieder einmal deutlich, dass neofaschistische Propaganda in unserer Stadt unerwünscht ist und Kultur auch ohne Millionen schwere Mäzene aus der Privatwirtschaft zu machen ist.

zum Redebeitrag des Genossen Ewald hier klicken.

(db)

CSD in Stuttgart

Unter dem Motto „macht Mut!“ findet am nächsten Samstag die nunmehr 10. Parade der Schwulen-, Lesben- und Transgenderbewegung in Stuttgart statt. Neben der Parade gibt es noch bis 02. August zahlreiche Infoveranstaltungen, Diskussionen und Parties.

CSD 2009

Der Christopher Street Day erinnert an einen Aufstand von Schwulen und Lesben, der vor 40 Jahren in der New Yorker Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street die Gleichberechtigung von alternativen Lebensgemeinschaften einforderte. Auch diesem Jubiläum soll mit einem Zeitzeugen-Gespräch am 29.07. im Cinemaxx Rechnung getragen werden. Schirmherr des diesjährigen CSD ist der hauptamtliche Präsident des VfB Stuttgart Erwin Staudt.

Mehr über die VeranstalterInnen, die Veranstaltungen und Hintergrundinformationen gibt es auf http://www.csd-stuttgart.de/csd2009/




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